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Briefe und Reden

Briefwechsel mit der Bundesministerin für Gesundheit
Andrea Fischer
Bundesministerium für Gesundheit
Am Probsthof 78a, 53121 Bonn
Link zum Bundesministerium für Gesundheit

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1. Brief vom 26. August 2000
 

Sehr geehrte Frau Dr. Fischer,

seit Sie im Amt sind und Verantwortung für bundesdeutsche Gesundheitspolitik tragen, sind in Deutschland mindestens 200.000 Menschen an den Folgen des Zigarettenrauchens gestorben. 

Trotzdem darf die deutsche Tabakindustrie nach wie vor Milliardenbeträge für die Werbung und Promotion von Zigaretten ausgeben - Geld das sie von ihren Kunden, bzw. Opfern kassiert: Die heutige Generation finanziert die Sucht, die Krankheiten und den Tod kommender Generationen.

Auf jeder Straßenecke sieht man immer noch Zigarettenwerbung. Das Rauchen wird mit wirklich positiven Themen bewußt assoziiert: Mit schönen, gesunden jungen Menschen, mit Freiheit und Abenteuer, gesunder Natur, Umweltschutz, Anti-Rassismus, Witz und Humor, mit Cool-Sein etc. Vor allem die Jugend - die nächste Generation von Kunden, wird gezielt angesprochen und verführt.

Angesichts unseres heutigen Wissens, ist das ein Verbrechen - aber fast alle schauen nur zu! Wahrscheinlich weil wir so daran gewöhnt sind. Auch die Bundesregierung und Ihr Ministerium tun viel zu wenig.

Bei der vorherigen Regierung von Helmut Kohl konnte ich das verstehen: Die CDU und deren Politiker haben große Zuwendungen und Spenden von der Tabakindustrie bekommen. Mich würde es nicht wundern, wenn einige der Spender, die den ehemaligen Bundeskanzler nicht nennen will, aus dieser Ecke kommen. Das würde erklären, warum er sie nicht nennen will, denn dann wäre klar, dass er die Finanzen seiner Partei und die Sicherung seiner eigenen Macht vor die Gesundheit der Nation gestellt habe.

Bei Ihnen kann ich mir so etwas nicht vorstellen. Obwohl bei Bundeskanzler Schröder bin ich mir nicht ganz so sicher.

Wir sind so sehr an Zigarettenwerbung gewöhnt, dass wir das Verbrechen, das damit begangen wird, nicht erkennen - sonst wäre sie schon längst verboten.

Betrachtet man die Allgegenwart von Zigaretten in der Werbung, bei der Promotion von Sportveranstaltungen, in Zigarettenautomaten, und an jeder Kasse von jedem Supermarkt, ist es kein Wunder, dass die Warnungen so wenig Wirkung zeigen. Als bei mir die Bedeutung der Statistiken zum ersten Mal nicht nur in den Kopf, sondern auch in den Bauch ankam, reagierte ich mit dem Gefühl: "Das kann nicht wahr sein!" Dass etwas, das in fast jedem Geschäft zu kaufen ist und mit Milliardenbeträgen durch Werbung und Promotions-maßnahmen gefördert wird, allein in Deutschland jedes Jahr mehr als 100.000 Menschen das Leben kostet.

Frau Fischer, Sie werden nichts daran ändern können, dass auch nächstes Jahr über 100.000 Deutsche an die Folgen des Rauchens sterben werden, weil es Menschen sein werden, die vor 20, 30 oder 40 Jahren mit dem Rauchen angefangen haben. Aber als Bundesgesundheitsministerin können Sie viel (viel mehr als bis jetzt) dazu betragen, dass es in 20, 30 oder 40 Jahren nicht immer noch so viele sind. 

Es geht auch nicht nur um Deutschland. Wenn nichts - oder zuwenig - gegen die Skrupellosigkeit der Tabakindustie gemacht wird, und sie weiterhin Milliarden für die Promotion ihrer tödlichen Produkten ausgeben darf, wird in den nächsten 20 - 30 Jahren die Zahl der Menschen die jährlich an die Folgen des Rauchens sterben von jetzt 3 Millionen auf 10 Millionen steigen (nach WHO).

Tabak ist eine gefährliche Droge, die süchtig und krank macht und die jedes Jahr Millionen von Menschen tötet. Von den bisherigen Maßnahmen zu urteilen, würde man das aber nicht ahnen. 

Die Tabakindustrie dürfte überhaupt kein Pfennig für Werbung oder Promotion ausgeben - und Basta! 

Alle Zigarettenautomaten müssen von unseren Straßen verschwinden.

Der Verkauf von Tabakwaren müßte auf Tabakwarengeschäfte beschränkt werden, wo allein Werbung erlaubt sein sollte. (Das sei politisch undurchsetzbar, sagen Sie. Das mag im Moment wahr sein, aber dann sollten wir daran arbeiten, dass es möglichst bald durchsetzbar wird - es geht schließlich um mehr als 100.000 Totesopfer im Jahr nur in Deutschland!).

Wir brauchen ein Gesetz, der die Tabakindustrie zwingt, Anti-Rauchen-Werbung zu finanzieren in einem ähnlichen Maß wie sie heute noch Zigarettenwerbung finanziert. Oder man finanziert sie mit einem Teil des Tabaksteuers. Es wird sehr viel Werbungsaufwand benötigen, um das positive Image, das die Tabakindustrie für das Rauchen geschaffen hat, zu korrigieren. Ich könnte hier einige gute Ideen beitragen. Zum Beispiel: 

Für das Rauchen gibt es nur 3 mögliche Erklärungen:

1. Ignoranz (man weiß nichts von seiner Gefährlichkeit)

2. Dummheit (man weiß von seiner Gefährlichkeit und raucht trotzdem)

3. Sucht (man ist süchtig und nicht stark genug, um aufzuhören)

Oder wie wär's mit, "Detest the Pest!" (statt Test the West)?

Oder in einer Sprachblase bei einem Patienten auf der Krebsstation: "Ich rauchte gern" ?

Ich würde Ihnen gern dabei helfen. Ich habe vor wenigen Jahren meinen eigenen privaten Kampf gegen die Zigarettenwerbung geführt (Siehe den deutschen Teil meiner Homepage), und würde ihn gern beruflich oder nebenberuflich wieder aufnehmen. 

Lassen Sie mich bitte nicht zu lange auf eine positive Antwort warten: Jeden Tag sterben über 8000 Menschen weltweit an den Folgen des Rauchens. Wenn wir nicht zu radikalen Maßnahmen gegen die Promotion und den freien Verkauf von Zigaretten greifen, werden es in 20 Jahren vielleicht das 3-fache sein!

Mit freundlichen Grüßen


Keine Antwort!


 
 
2. Brief vom 15. Oktober 2000

Sehr geehrte Frau Fischer,
 

herzlichen Glückwunsch!

Zusammen mit der Tabakindustrie ist es Ihnen, bzw. der Bundesregierung, gelungen, der Versuch eines EU-weiten Verbot für Zigarettenwerbung durchzusetzen zu vereiteln. 

Nach Informationen der WHO sterben über 3 Millionen Menschen (ca. 90.000 davon in Deutschland) jährlich an den Folgen des Tabakrauchens.

Und jetzt, dank Ihrer Bemühungen (oder mangelnder Bemühungen), darf die Europäische Tabakindustrie weiterhin Milliarden für die Promotion und Image-Pflege ihrer süchtig machenden, gesundheitsschädlichen, für viele tödlich wirkenden Produkten ausgeben.

Oder haben Sie vor, auf nationaler Ebene die Zigarettenwerbung und -promotion schneller und viel wirkungsvoller zu verbieten? 

Bitte unterrichten Sie mir über Ihre Pläne.
 

Mit freundlichen Grüßen